Nahaufnahme eines stilisierten Viruspartikels in Rot-Gelb vor unscharfem Hintergrund; darüber ein transparenter Kasten mit der Aufschrift „Bornavirus“.

Bornavirus beim Pferd – Symptome, Diagnose, Risiko

Die sogenannte Bornasche Krankheit gehört zu den am wenigsten verstandenen Virusinfektionen beim Pferd und endet in den meisten Fällen tödlich. Aufgrund unspezifischer Frühsymptome, fehlender Therapieoptionen und schwieriger Diagnostik stellt sie Tierärzte und Pferdehalter gleichermaßen vor große Herausforderungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Bornavirus?

Das Bornavirus ist ein neurotropes Virus, das beim Pferd zu einer schwerwiegenden Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führt. Die daraus resultierende Erkrankung wird als Bornasche Krankheit oder Borna Disease bezeichnet. Charakteristisch ist der meist schleichende Beginn, gefolgt von einem rasch fortschreitenden neurologischen Krankheitsbild, das in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle tödlich endet.

Medizinisch handelt es sich um eine Meningoenzephalitis, also eine kombinierte Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Das Virus besitzt eine besondere Affinität zu Nervenzellen und kann sich dort über längere Zeiträume unbemerkt vermehren, bevor klinische Symptome sichtbar werden. Genau diese Eigenschaft macht das Bornavirus so schwer greifbar – sowohl diagnostisch als auch therapeutisch.

Historischer Hintergrund

Die Bornasche Krankheit ist keineswegs eine neue Erkrankung. Bereits im späten 18. Jahrhundert wurden in der Region um die sächsische Stadt Borna gehäuft tödliche neurologische Erkrankungen bei Pferden beschrieben. Besonders betroffen waren Militär- und Arbeitspferde, deren plötzliche Wesensveränderungen, Koordinationsstörungen und Todesfälle große Rätsel aufgaben.

Erst deutlich später konnte der Zusammenhang mit einem viralen Erreger hergestellt werden. Der Name Bornavirus leitet sich bis heute von diesem geografischen Ursprung ab. Über viele Jahrzehnte galt die Erkrankung als nahezu ausschließlich veterinärmedizinisches Problem. Erst moderne molekularbiologische Methoden ermöglichten es, den Erreger genauer zu charakterisieren und seine Bedeutung auch für andere Tierarten und den Menschen zu erkennen.

Vorkommen und geografische Verbreitung

Das Bornavirus beim Pferd tritt überwiegend in bestimmten Regionen Mitteleuropas auf. Besonders häufig werden Fälle aus Süd- und Ostdeutschland, Teilen Österreichs, der Schweiz sowie angrenzenden Gebieten gemeldet. Diese regionale Häufung spricht für sogenannte Endemiegebiete, in denen der Erreger dauerhaft in der Umwelt vorkommt.

Pferde, die außerhalb dieser Regionen gehalten werden, sind nicht grundsätzlich geschützt. Tiertransporte, Futterlieferungen oder Veränderungen im Stallumfeld können dazu führen, dass das Virus auch in bislang unauffällige Gebiete eingeschleppt wird. Dennoch bleibt die Erkrankung insgesamt selten – was paradoxerweise dazu beiträgt, dass sie im Alltag häufig zu spät in Betracht gezogen wird.

Der Erreger: Borna Disease Virus (BoDV-1)

Beim klassischen Bornavirus des Pferdes handelt es sich um das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1). Dieses Virus gehört zur Familie der Bornaviridae und unterscheidet sich in mehreren Punkten von vielen anderen bekannten Pferdeviren. Besonders auffällig ist seine Fähigkeit, sich direkt im Zellkern der Nervenzellen zu vermehren – ein ungewöhnlicher Mechanismus für RNA-Viren.

Nach einer Infektion kann das Virus über längere Zeit im Nervengewebe verbleiben, ohne sofort massive Symptome zu verursachen. Diese sogenannte persistente Infektion erklärt, warum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung oft Wochen oder sogar Monate liegen können.

Die Rolle der Feldspitzmaus

Als zentrales Reservoir des Bornavirus gilt heute die Feldspitzmaus Diese kleinen Insektenfresser können das Virus lebenslang in sich tragen, ohne selbst klinisch zu erkranken. Über Ausscheidungen wie Speichel, Urin oder Kot gelangt das Virus in die Umwelt.

Pferde infizieren sich vermutlich indirekt, etwa über kontaminiertes Futter, verunreinigtes Wasser oder Einstreu. Besonders in Stallungen mit offenen Futterplätzen oder unzureichendem Schutz vor Kleinsäugern steigt das Risiko einer Exposition.

Eine direkte Übertragung von Pferd zu Pferd konnte bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden und gilt nach aktuellem wissenschaftlichem Stand als sehr unwahrscheinlich.

Inkubationszeit und Krankheitsbeginn

Die Inkubationszeit der Bornaschen Krankheit ist äußerst variabel. In vielen Fällen wird von mehreren Wochen bis zu mehreren Monaten ausgegangen. Diese lange, klinisch stumme Phase ist einer der Hauptgründe dafür, dass der Zusammenhang zwischen möglicher Infektionsquelle und Erkrankung kaum herzustellen ist.

Der Krankheitsbeginn ist häufig unspezifisch. Pferde wirken verändert, zeigen einen Leistungsabfall oder erscheinen ungewöhnlich ruhig oder reizbar. Genau diese unscheinbaren Veränderungen führen dazu, dass frühe Anzeichen oft fehlinterpretiert oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Symptome der Bornaschen Krankheit

Phase Typische Anzeichen
Unspezifische Frühphase Zu Beginn zeigen viele betroffene Pferde lediglich subtile Veränderungen. Dazu gehören Appetitlosigkeit, Mattigkeit oder ein auffälliger Rückzug aus der gewohnten Umgebung. Manche Tiere reagieren überempfindlich auf Reize, andere wirken ungewöhnlich teilnahmslos. Leichtes Fieber kann auftreten, fehlt aber nicht selten vollständig.
Neurologische Symptomatik Mit Fortschreiten der Erkrankung treten zunehmend neurologische Auffälligkeiten in den Vordergrund. Typisch sind Koordinationsstörungen, unsicherer Gang und eine verminderte Kontrolle über Bewegungsabläufe. Einige Pferde zeigen eine deutliche Kopfschiefhaltung oder beginnen, im Kreis zu laufen.
Im weiteren Verlauf Im weiteren Verlauf können Muskelzittern, Zähneknirschen, Schluckstörungen oder Verhaltensänderungen auftreten. Manche Pferde wirken plötzlich aggressiv oder panisch, andere apathisch und abwesend. Auch Sehstörungen bis hin zur Blindheit sind möglich.
Endstadium Im Endstadium der Bornaschen Krankheit verschlechtert sich der Zustand meist rapide. Krampfanfälle, Festliegen und schwere Bewusstseinsstörungen sind keine Seltenheit. In dieser Phase ist das Leiden der Tiere erheblich, weshalb aus tierschutzrechtlicher Sicht häufig nur noch die Euthanasie bleibt.

Diagnostik: Eine große Herausforderung

Die Diagnose des Bornavirus beim lebenden Pferd stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Da es keine spezifischen Frühsymptome gibt, erfolgt die Diagnostik in der Regel als Ausschlussdiagnose. Zahlreiche andere Erkrankungen mit neurologischer Symptomatik müssen zunächst ausgeschlossen werden, darunter Herpesvirusinfektionen, Tollwut, West-Nil-Fieber oder Vergiftungen.

Ein sicherer Nachweis des Bornavirus gelingt in den meisten Fällen erst nach dem Tod des Tieres. Dabei werden Gehirngewebe histopathologisch untersucht und mittels molekularbiologischer Verfahren auf virale RNA getestet. Typisch sind bestimmte Einschlusskörperchen in den Nervenzellen, die als charakteristisch für die Erkrankung gelten.

Therapie und Prognose

Bis heute existiert keine wirksame Therapie gegen das Bornavirus beim Pferd. Weder antivirale Medikamente noch immunmodulierende Ansätze konnten bislang einen verlässlichen Behandlungserfolg zeigen. Die Therapie beschränkt sich daher auf unterstützende Maßnahmen und die Linderung von Symptomen.

Die Prognose ist ausgesprochen schlecht. Die Sterblichkeitsrate liegt bei über 90 Prozent, was die Bornasche Krankheit zu einer der tödlichsten Virusinfektionen beim Pferd macht.

Gefahr für den Menschen?

In den letzten Jahren rückte das Bornavirus auch aus humanmedizinischer Sicht in den Fokus. Seltene, aber meist tödlich verlaufende Infektionen beim Menschen – insbesondere bei immungeschwächten Personen – konnten eindeutig auf BoDV-1 zurückgeführt werden.

Eine direkte Übertragung vom Pferd auf den Menschen ist bislang nicht eindeutig belegt. Dennoch wird beim Umgang mit verdächtigen oder erkrankten Tieren zu erhöhter Vorsicht und strenger Hygiene geraten.

Prävention: Schutz durch Management

Da weder Impfung noch Therapie zur Verfügung stehen, kommt der Prävention eine entscheidende Rolle zu. Besonders wichtig ist ein konsequentes Stallmanagement mit Fokus auf Hygiene und Schädlingskontrolle. Futterplätze sollten sauber gehalten, Futtermittel sicher gelagert und Stallungen regelmäßig kontrolliert werden.

Auch wenn eine vollständige Vermeidung des Kontakts mit Spitzmäusen kaum möglich ist, können bauliche und organisatorische Maßnahmen das Risiko deutlich reduzieren.

Fazit

Die Bornasche Krankheit zählt zu den rätselhaftesten und zugleich gefährlichsten Viruserkrankungen beim Pferd. Ihre Seltenheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in betroffenen Regionen jederzeit auftreten kann. Umso wichtiger sind Wissen, Aufmerksamkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit möglichen Risikofaktoren.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist das Bornavirus heilbar?

Nein, bislang gibt es keine wirksame Behandlung.

Ist die Erkrankung meldepflichtig?

In Deutschland besteht keine gesetzliche Meldepflicht, dennoch sollte jeder Verdachtsfall ernst genommen werden.

Wie hoch ist das Risiko für andere Pferde?

Eine direkte Ansteckung gilt als sehr unwahrscheinlich.

Autor*in
Sina WahlMehr VON CMH.TV

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