Christoph Hess

Christoph Hess

Richter, Reiter, Trainer - Christoph Hess ist noch viel mehr als das. Er gibt Lehrgänge, kommentiert Ritte oder reist durch die Welt um das zu lehren, was wir alle lieben. Das Reiten. Wir haben Christoph Hess interviewt und die Fragen gestellt die euch brennend interessieren.

Inhaltsverzeichnis

Wer ist Christoph Hess?

Christoph Hess war 30 Jahre internationaler Dressur- und Vielseitigkeitsrichter. Heute ist er Nationaler Richter bis Grand Prix, Trainer und Ausbildungsbotschafter der FN. Die ältere Generation kennt den Pferdemenschen sicher noch aus seiner aktiven Zeit bei der FN. 1978 begann der Diplom-Pädagoge als Referent für Ausbildung im Bereich ,,Sport” und leitete bis 2012 die Abteilung ,,Ausbildung” in der FN. Auch das Bundesleistungszentrum Reiten in Warendorf wurde von Christoph Hess von 1986 - 2004 geführt, sowie der FN Bereich ,,Persönliche Mitglieder” war von 1994 bis zu seinem Ruhestand 2016 in seiner Führung. Für seine Verdienste erhielt er 2019 das Deutsche Reiterkreuz in Gold und wurde von der FN zum Ausbildungsbotschafter ernannt. 

Die jüngere Generation kennt Christoph Hess wahrscheinlich aus den Sozialen Medien. Seit 2022 ist Christoph Hess aktiv auf Facebook, Instagram und TikTok und beantwortet die unterschiedlichsten Fragen seiner Community. Jeder kann ihm Fragen via Nachricht stellen oder auch ganz einfach über ein Frageformular auf seiner Website.

Auch international ist der Warendorfer bekannt, in West- und Osteuropa gibt es kaum ein Land, in dem er nicht als Ausbilder oder Richter tätig war. Christoph Hess war häufig in den USA, in Brasilien, in Canada, in Südafrika und sehr häufig in Australien. 

Wie schaffen Sie es, den ganzen Unterrichts- und Lehrgang Anfragen gerecht zu werden? 

Das ist eine große Herausforderung für mich, weil ich auch keinen traurig machen möchte. Ich habe das System so gewählt, dass die ganzen Lehrgänge und Events, die ich für die FN & das DOKR leite, Vorrang haben. Dann arbeite ich auch relativ häufig im Ausland mit Federationen zusammen. Wenn ich diese Termine betrachte, ist das Jahr schon relativ gut bestückt. Wenn dann noch Zeit übrig ist, versuche ich, weitere Lehrgänge und Unterricht anzubieten.

Seine Lehrgangstermine werden regelmäßig auf seiner Website veröffentlicht.
Ob noch Termine frei sind, erfährst du hier.

Schon gewusst? Christoph Hess bietet Unterricht für alle Reiter, jeder Leistungsklasse an.
Hier erfährst du mehr dazu.

In 2023 würde Hess gerne so weitermachen, wie in diesem Jahr. 2022 hat er Social Media für sich entdeckt und ist positiv überrascht, wie viele Menschen ihm mittlerweile folgen und seine Inhalte anschauen. Was treibt ihn an, sein Wissen an so viele Menschen weiterzugeben?

Die Liebe zum Pferd und zu den Reitern. Ich möchte die Reiter mit Ihren Pferden in eine Harmonie bringen. Ich möchte erklären, wie gutes Reiten aussieht – und das nicht nur denen, die selbst reiten, sondern auch denen die den Reitsport von außen betrachten.

Christoph Hess versucht sich bei Kritik in die Lage derjenigen zu versetzen, die mit seinen Inhalten interagieren. Er fragt sich, was in den Köpfen und in den Herzen dieser Persönlichkeiten vorgeht, er versucht die Beweggründe zu verstehen und ist selbst reflektiert. Danach überlegt er, wie er sein Inhalt besser vermitteln kann, damit sein reiterlicher Ansatz verständlicher wird.

Es ist bewundernswert mit wieviel Leidenschaft der bald 72 Jährige seinen Instagram und Tiktok Kanal bespielt und fast täglich die Fragen vieler Reiter*innen in Reels beantwortet. Seinen Geburtstag und Weihnachten feiert Christoph Hess, wo er am liebsten ist: mit Reitern und Pferden in der Reitanlage Bettenrode, die sein Sohn Philipp Hess leitet. 

Wie ist Christoph Hess zum Reitsport gekommen?

Christoph Hess hatte nicht wie andere Reiter, den direkten Kontakt zu Pferden durch sein familiäres Umfeld. Als Christoph Hess 8 Jahre alt war, hat ihn ein Nachbar aus dem Mietshaus in Cuxhaven, in dem er aufgewachsen ist, mit zu seinem Kutschpferd genommen.

Dann hat’s bei mir “Peng gemacht”, ich habe mich in den Reitsport von der ersten Sekunde an verliebt und diese Leidenschaft hat mich bis heute nicht verlassen.

Was ist Christoph Hess bei der Ausbildung von Pferden und Reitern wichtig?

Wenn man Christoph Hess kennt weiß man, dass gerade die Arbeit mit jungen Pferden ein Steckenpferd von ihm ist. Nicht umsonst ist er Ausbildungsbotschafter der FN. Besonders wichtig ist es ihm, dass Pferde Vertrauen zum Reiter und zu ihrem Umfeld haben. Gleichzeitig appelliert Christoph Hess an uns, dass man die Pferde nicht vermenschlichen. Pferde sind Flucht- und Herdentiere, die bedürfnisgerecht gehalten und gearbeitet werden sollten.

"Manche Pferde sind schüchtern. Bin ich in der Lage, mich in mein Pferd einzufühlen, dann kann ich junge Pferde wunderbar ausbilden. So ergeht es auch unseren Kindern, wenn sie eine gute Lehrerin in der Grundschule haben. Das ist ein Pfand, mit dem sie bis ans Ende ihres Lebens wachsen können."
a horse and rider having a lesson with christoph hess
Jungpferdeausbildung mit Christoph Hess: so geht’s richtig!

Ihm ist es sehr wichtig, Pferden eine gute Grundausbildung geben zu können, in der Pferde sich voll entfalten können und einen soliden Grundstein für das zukünftige Leben setzen können.

Welches Pferd ist Ihnen in Ihrer Karriere in Erinnerung geblieben?

Ein Pferd, das dem Warendorfer ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, hieß Suse. Suse war das Pferd von einem Landwirt, das er reiten durfte und das den Grundstein für seine Karriere als Richter, Trainer und FN - Ausbildungsbotschafter gelegt hat. Suse war eine Hannoveraner Stute, ein Arbeitspferd, das auch vor der Egge genutzt wurde. Der Landwirt hat ihm das Pferd zur Verfügung gestellt.

"Ein Landwirt hat mir das Pferd gegeben und gesagt: Die darfst du reiten. Von ihr habe ich sehr viel gelernt."

Die Stute war anders als die Pferde, die wir heute kennen, heute sind die Pferde leicht in der Anlehnung, leicht in der Hand, teilweise schon zu leicht. Suse hingegen hatte ein starkes Genick, sie ging gar nicht in Anlehnung. Da Hess keinen familiären Reiter-Hintergrund hatte, ist er oft alleine geritten und keiner stand dabei, der ihm helfen oder korrigieren konnte.

"Ich habe alles versucht, den Kopf des Pferdes runterzukriegen. Ich habe auch an den Zügeln gezogen, weil die mir aus der Hand fielen. Und manchmal habe ich mich  vor die Box von Suse gesetzt und mich entschuldigt: Suse ich habe dich heute schlecht geritten, vergib mir, Entschuldigung. Das habe ich oft gedacht, ich habe sogar vor der Box gesessen und geweint, weil ich es nicht besser konnte."

Aber Christoph Hess hat sehr viel daraus gelernt. Er hat gelernt, sich auf Pferde einzustellen und hat immer wieder bei verschiedenen Ausbildern geritten. Tipps hat er aufgesogen, um nie wieder in so eine Situation zu kommen. Es war sein Ziel, pferdegerecht zu reiten, doch er musste einsehen, dass es ein langwieriger Prozess ist und man mit Pferden nie auslernt. Später hat er mit Suse auch auf regionaler Ebene recht gute Erfolge erzielt. Das mag von außen betrachtet zwar nichts Großartiges sein, aber für Christoph Hess war es ein persönlicher Erfolg, weil er sich mit seiner Suse zusammengefunden hat.

Das ist auch, was er seiner Community, seinen Schülern und auch den Pferdebegeisterten mitgeben möchte:

"Wenn du erstmal mit dem Pferd auf dem Holzweg bist, schaffst du es nicht alleine davon weg zu kommen. Was ihr benötigt, sind Ausbilder, die Euch regelmäßig unterrichten. Ohne guten Unterricht kommt kein Reiter voran und wir kein Reiter sein Pferd wirklich pferdegerecht reiten. Das ist auch das, was ich von Suse gelernt habe, wofür ich ihr heute noch dankbar bin und hoffe, dass ich sie nicht allzu schlecht behandelt habe."

Kommunikation mit dem Pferd: So wirke ich richtig ein

Was war der schönste Moment in seiner Karriere?

Wie viele Reiter wollte auch Christoph Hess einmal bei den Olympischen Spielen reiten, davon war er aber weit entfernt, da ihm das letzte Gefühl fehlte. Dennoch beschreibt er den schönsten Moment seiner Karriere anders als man denken mag, für ihn sind es nicht die Erfolge oder etwa das deutsche Reiterkreuz in Gold, das er als schönsten Moment seiner Karriere definiert. Für Christoph Hess gibt es viele schöne Momente, die er in seiner Karriere und auch heute noch immer wieder hat: 

"Zum Beispiel habe ich viel von Ausbildern gelernt und hatte dann dieses Glücksgefühl, als ich merkte, hier lernst du was!
Das zweite, was immer wieder schöne Gefühle in mir auslöste, ist, wenn ich mit den Pferden ins Gelände gehe und merke, dass wir im Gelände genauso eine Einheit sind wie auf dem Außenplatz oder in der Halle. [...] Es waren viele tolle Momente, die ich mit meinen Pferden teilen durfte und ich glaube vielen Reitern geht es so wie mir, wir genießen viele Momente im Sattel."

Warum ist Christoph Hess Richter geworden?

Hess hatte den Wunsch die Reiterei von Grund auf zu verstehen, daraufhin hatte er die damalige Reitwart Prüfung (Trainer C) gemacht, dann die Amateurreitlehrer (Trainer A) und dann die Berufsreitlehrer Prüfung (FN) - heute Pferdewirt Ausbildung klassische Reitausbildung - absolviert. Er wollte mehr lernen, deshalb legte er zu Beginn seiner Warendorfer Tätigkeit die Richterprüfung ab. Ausbilder, Reiter und dann Richter, dann hat er die Nachwuchsrichter Prüfung absolviert, die Qualifikation M, S/Grand Prix, schwerpunktmäßig Dressur erworben. Dann kam die Vielseitigkeit und das Richten junger Pferde auch noch dazu

Ich bin dankbar, dass ich bei herausragenden Ausbildern und von Richterkollegen lernen durfte.

Another training session with Christoph Hess outdoor, the horse looks happy and is wlking on a long rein
Die Rolle der Losgelassenheit in der Ausbildung des Pferdes

Das, was ich gelernt habe, habe ich hoffentlich mit meinen Richter-Urteilen und Kommentaren an die nächste Generation weitergeben dürfen. Gerade das Kommentieren von Ritten ist mir besonders wichtig, denn ich glaube, dass wir Richter unsere Noten den Reiter*innen, Pferdebesitzer*innen, Züchtern und dem Publikum erklären müssen. 

"Besonders wichtig ist mir, dass wir Pferdegerecht reiten und ausbilden. Für mich steht das Wohl der Pferde an erster Stelle. Ich glaube, das erwartet unsere Gesellschaft zurecht. Und wenn wir dies nicht in unserer täglichen Praxis und auf Turnieren berücksichtigen und vorleben, wird es für unseren Sport, den ich so sehr liebe, schwierig, noch langfristig praktiziert zu werden. Jeder einzelne Reiter hat eine große Verantwortung für sein Pferd. Das muss sich jeder Reiter immer wieder verdeutlichen. Mir ist es ein Bedürfnis, diesen Prozess immer wieder positiv zu beeinflussen."

Wem würdest du gerne mal eine Frage stellen?

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