Seitenansicht eines Pferderückens.

Rücken stärken beim Pferd: Übungen für zu Hause

Der Artikel zeigt dir, wie du den Rücken deines Pferdes mit einfachen Übungen gezielt unterstützen und verbessern kannst. Du bekommst eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für zu Hause.

Inhaltsverzeichnis

🎥 Video-Tipp: Entspannung für den Pferderücken - diese Übungen helfen dabei!

In unserer ClipMyHorse.TV Academy steht zu diesem Thema ein exklusives Premium-Video bereit, das den Ablauf umfassend und fachkundig erklärt und dir wertvolle Tipps bietet. Die Academy bietet Zugang zu professionell produziertem Fachwissen aus der Praxis – ideal für alle, die ihre Trainingskompetenz gezielt vertiefen möchten.

Pferdephysiotherapeutin tastet im Stall den Rücken eines braunen Pferdes ab, um Muskulatur und Bewegungsapparat zu beurteilen.

Ein gesunder Pferderücken ist nicht nur „locker“, sondern funktionell tragfähig: Ziel ist, dass das Pferd sich mit der Bauchmuskulatur trägt, der Widerrist spürbar anhebt und sich die Bewegung größer, freier und gleichmäßiger anfühlt. Der Hals sollte dabei aus dem Widerrist heraus in eine elastische Dehnung finden, statt dass das Pferd „in den Boden hineinläuft“.

Häufig steckt hinter Problemen ein fester Rücken und eine Spannung im langen Rückenmuskel und genau hier setzen die folgenden Übungen für zu Hause an.

Wichtiger Hinweis zur Umsetzung der Übungen beim Pferd

Führe alle Übungen langsam, vorsichtig und mit Gefühl aus. Ziel ist die Entspannung der Muskulatur. Die gezeigten Übungen stellen keinen Ersatz für eine professionelle physiotherapeutische Behandlung dar! Zeigt sich das Pferd während der Massage unwillig oder gar schmerzempfindlich, sollte ein Physiotherapeut hinzugezogen werden.

❗ Bitte tierärztlich abklären, wenn folgende Anzeichen auftreten:
Deutliches Ausweichen, kein Stehenbleiben oder Abwehrverhalten (Ohren anlegen, Beißen, Treten)
Starke Reaktion auf sehr leichten Druck (z. B. „sackt weg“, geht „in die Knie“)
Verdacht auf Schmerzen oder wenn die Situation eskaliert

Die Übungen sind als sanfte Unterstützung gedacht und ersetzen keine tierärztliche Diagnostik oder Therapie, wenn deutliche Beschwerden vorliegen.

Übungen: Schritt für Schritt erklärt

Rücken aufwölben

Ziel: Rücken anheben, langen Rückenmuskel entlasten, Brustwirbelsäule unterstützen.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Stelle dich seitlich ans Pferd.
2. Gehe mit den Fingerspitzen vorsichtig von hinten nach vorne Richtung Kopf entlang der Unterlinie (Bauch-/Gurtbereich).
3. Ziel ist, dass der Rücken sich sichtbar anhebt.
4. Achte darauf: Der Kopf soll dabei eher in die Tiefe kommen (ohne Ziehen).
Typische Fehler: zu viel Druck, zu hektisch, Kopf wird hochgehalten.
Therapeutin führt am Pferd im Stall eine Übung zur Unterstützung von Rücken und Bauchmuskulatur durch.

Hautfalten im Gurtbereich

Ziel: Gewebe mobilisieren, mögliche Verklebungen im Gurtbereich lösen.

So geht’s:

Hilfreiche Anwendung:
1.Haut im Gurtbereich locker aufnehmen und sanft bewegen (kein Kneifen, kein Ruck)
Nahaufnahme: Eine Therapeutin nimmt am stehenden Pferd im Gurtbereich eine sanfte Hautfalte auf, um das Gewebe mobil zu halten und Verspannungen zu lösen.

Widerrist sanft schaukeln

Ziel: Schulter-/Brustbereich lockern, Losgelassenheit fördern.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Eine Hand oben an den Widerrist legen.
2. Sehr kleine Bewegung: Pferd minimal nach rechts/links „schaukeln“.
3. Wichtig: Rücken oben lassen, Kopf eher unten, Pferd soll weich bleiben.
Dauer: 20–40 Sekunden, 1–2 Durchgänge
Therapeutin unterstützt im Stall die Dehnungshaltung des Pferdes, indem sie Kopf und Hals nach unten führt, um Rückenlinie und Muskulatur zu entlasten.

Rückenmuskel massieren

Ziel: Spannung im langen Rückenmuskel reduzieren, Gewebe beweglich machen.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Arbeite rechts und links neben der Wirbelsäule – nicht auf den Dornfortsätzen.
2. Mit leichtem Druck „rein und wieder raus“, langsam entlang des Muskelverlaufs nach hinten.
3. Optional mit Handballen oder beiden Händen.
Merke: Zu viel Druck macht den Muskel häufig härter statt weicher.
Therapeutin massiert am Pferd die Rückenmuskulatur neben der Wirbelsäule, um Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit im Rücken zu unterstützen.

Schweif seitlich schwingen

Ziel: sanfte Mobilisation, Bewegung durch den Körper fördern.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Seitlich versetzt hinter der Hinterhand stehen (nicht direkt hinter dem Pferd).
2. Schweif locker fassen und ohne Zug sanft nach rechts/links schwingen.
3. Optional: andere Hand am Rücken, um die Bewegung zu fühlen.
Therapeutin mobilisiert am stehenden Pferd die Hinterhand, indem sie den Schweif seitlich schwingt, um die Bewegung der Wirbelsäule sanft zu unterstützen.

Gluteus & Hüfthöcker lockern

Ziel: Hinterhandmuskulatur entspannen, sanfte Bewegung in die Region bringen.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Gluteus großflächig und ruhig durchmassieren.
2. Zwischendurch kurze, leichte Schwing-Impulse mit dem Schweif.
3. Hand auf den Hüfthöcker: mit minimalem Druck eine kleine Bewegung anbahnen.
Stoppsignal: Pferd sackt weg, drückt Rücken weg oder zeigt Abwehr → Druck reduzieren/abbrechen.
Therapeutin massiert am stehenden Pferd die Gesäß- und Kruppenmuskulatur im Bereich der Hinterhand, um Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu fördern.
Nahaufnahme: Therapeutin massiert die Kruppen- und Gesäßmuskulatur des Pferdes, um Spannung zu lösen und die Hinterhandbeweglichkeit zu unterstützen.

Hintere Oberschenkelmuskulatur massieren

Ziel: Spannung lösen, Losgelassenheit in der Hinterhand unterstützen.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
• Großflächig, langsam und angenehm massieren: der Muskel soll weich bleiben und sich verschieben lassen.
Therapeutin massiert am stehenden Pferd die hintere Oberschenkelmuskulatur, um die Hinterhand zu lockern und die Beweglichkeit zu unterstützen.

Lendenbereich lockern

Ziel: Faszien/Gewebe im Lendenbereich sanft ansprechen.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
Ziel: Faszien/Gewebe im Lendenbereich sanft ansprechen.
1. Neben der Lendenwirbelsäule mit flachem Daumen arbeiten (kein Fingernagel!).
2. Gleichzeitig sehr sanft schwingen bzw. kleine Bewegungsimpulse geben mit dem Schweif.
Therapeutin lockert am stehenden Pferd den Lenden- und Kruppenbereich mit sanften Druck- und Schüttelbewegungen, um Rücken und Hinterhand beweglicher zu machen.

Schweifrübe: sanfte Traktion & Schweifkreisen

Ziel: entlastender Impuls im Lendenbereich, Mobilität am Schweifansatz.

So geht’s:

Anleitung Schritt für Schritt:
1. Pferd geschlossen hinstellen, seitlich versetzt positionieren (nicht direkt hinter dem Pferd).
2. Schweifrübe umfassen (nicht am Schweif ziehen).
3. Leichten Zug in Verlängerung der Wirbelsäule nach hinten geben.
4. Optional: Schweif langsam kreisen (beide Richtungen), ggf. mit minimalem Zug.
Gute Zeichen: Pferd wird weicher, kaut, lehnt sich minimal nach vorne.
Stoppsignal: Schweif klemmt, starke Abwehr, Treten/Beißen → abbrechen.
Therapeutin gibt am stehenden Pferd eine sanfte Traktion an der Schweifrübe, um den Lenden- und Kreuzbereich zu entlasten und die Beweglichkeit zu fördern.
Therapeutin mobilisiert am stehenden Pferd den Schweifansatz, indem sie den Schweif sanft kreisen lässt, um den Lenden- und Kreuzbereich zu lockern.

Fazit

Diese Übungen können helfen, den Rücken zu lockern, die Tragfähigkeit über die Bauchmuskulatur zu fördern und Spannungen früh zu erkennen. Entscheidend ist, dass dein Pferd dabei entspannt bleibt und du dosiert arbeitest. Bei Schmerz- oder deutlichen Abwehrreaktionen gilt: abbrechen und fachlich abklären lassen.

Autor*in
Marie Kleiter Mehr VON CMH.TV

Tags