Schwarzes Pferd trabt in einer Außenbahn an der Hand vor grüner Hecke und Holzzaun.

Stutenleistungsprüfung – Alles, was du wissen musst

Die Stutenleistungsprüfung gilt als wichtiger Maßstab für Rittigkeit, Interieur und Grundgangarten und bildet die Basis für die züchterische Einordnung einer Stute. Sie zeigt, ob eine Stute nicht nur optisch, sondern auch leistungsmäßig den Anforderungen moderner Reitpferdezucht entspricht. Der Artikel erklärt Ablauf, Bewertung, Vorbereitung und Unterschiede zwischen den Verbänden – verständlich aufbereitet für Züchterinnen, Reiterinnen und Interessierte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Stutenleistungsprüfung? 

Die Stutenleistungsprüfung (kurz: SLP) ist eine züchterische Leistungsüberprüfung junger Stuten, bei der Rittigkeit, Grundgangarten, Interieur, Springvermögen und bei bestimmten Rassen auch weitere Merkmale beurteilt werden.

Definition: Eine Stutenleistungsprüfung ist ein standardisiertes Prüfungsformat, mit dem Zuchtverbände die Leistungsfähigkeit und das Potenzial einer Stute objektiv bewerten.

Diese Prüfung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Eintragung in das Stutbuch, zur Erteilung von Prämien und oft die Voraussetzung für besondere Zuchtprogramme.

Warum die Stutenleistungsprüfung so wichtig ist

Für moderne Reitpferdezucht reicht eine attraktive äußere Erscheinung nicht mehr aus. Die SLP zeigt:

  • Wie rittig und leistungsbereit eine Stute ist
  • Wie gut sie sich unter dem Sattel entwickelt
  • Ob sie nervenstark, kooperativ und leistungswillig ist
  • Welche zuchtrelevanten Stärken sie mitbringt
  • Wie sie sich im Vergleich zu Altersgenossinnen schlägt

Die Ergebnisse fließen direkt in die Zuchtwertschätzung ein und sind für Züchter ein verlässlicher Hinweis auf das Potenzial sowie auf den Wert der Stute.

Ablauf der Stutenleistungsprüfung

Vorstellung unter dem Fremdreiter

Ein erfahrener und neutraler Fremdreiter beurteilt:

  • Rittigkeit
  • Durchlässigkeit
  • Losgelassenheit
  • Anlehnungsverhalten
  • Charakter & Mitarbeit

Gerade dieser Teil gilt als besonders aussagekräftig, da die Stute eine völlig neue Hilfengebung akzeptieren muss – ein wichtiger Hinweis auf ihre spätere Reiteignung.

Grundgangarten

Hier werden Schritt, Trab und Galopp einzeln bewertet:

  • Takt
  • Schwung
  • Losgelassenheit
  • Gleichmaß
  • Raumgriff

Je nach Verband werden Noten zwischen 0 und 10 vergeben. Besonders wichtig sind ein klarer, fleißiger Schritt, ein elastischer Trab und ein natürlicher, bergauf gesprungener Galopp.

Interieur

Das Interieur ist der Charakter der Stute. Bewertet werden u. a.:

  • Temperament
  • Nervenstärke
  • Umgänglichkeit
  • Lernbereitschaft
  • Arbeitsverhalten

Gerade für Amateurreiter*innen sind diese Merkmale entscheidend und daher ein zentraler Bestandteil der SLP.

💡 Exterieur & Interieur beim Pferd
Das Exterieur zeigt, wie ein Pferd gebaut ist (z. B. Rücken, Beine, Bewegungsablauf), das Interieur, wie es „tickt“ (Temperament, Nervenstärke, Rittigkeit). Warum das so wichtig ist und welche Punkte zählen, erklärt der verlinkte Artikel kompakt.

Freispringen oder Parcoursreiten

Je nach Zuchtverband:

  • Warmblutverbände (z. B. Westfalen, Hannover, Oldenburg): Freispringen gehört grundsätzlich dazu
  • Spezialrassen (z. B. Trakehner): Auch beurteilt, oft mit besonderem Fokus auf Technik und Vermögen
  • Pony- und Spezialrassen: Teilweise alternatives Programm

Geprüft werden:

  • Springmanier
  • Bascule
  • Vermögen
  • Einstellung zum Sprung

Gesamtnote und Bedeutung

Aus allen Einzelwerten wird die Gesamtnote gebildet. Ab einer bestimmten Bewertung kann die Stute:

  • als prämienwürdig gelten
  • in das Hauptstutbuch eingetragen werden
  • für Leistungsprogramme qualifiziert sein

Unterschiede zwischen den Zuchtverbänden

Die grundlegenden Kriterien sind ähnlich, aber jeder Verband setzt eigene Schwerpunkte.

Westfälischer Pferdestammbuch

  • Fokus auf Rittigkeit und Grundgangarten
  • Exterieurbeurteilung eng mit der SLP verzahnt
  • Hohe Transparenz durch öffentlich einsehbare Ergebnisse

PZV Baden-Württemberg / Landesgestüt Marbach

  • Traditionell stark im Freispringen
  • Enge Zusammenarbeit mit Ausbildungsställen
  • Jährliche Sammelprüfungen mit großer Teilnehmerzahl

Oldenburger Verband

  • Stuten aller Reitpferderassen zugelassen
  • Betonung der Rittigkeit unter dem Fremdreiter
  • Großer Stellenwert bei Stutenlinien mit internationalem Blut

Trakehner Verband

  • Sehr detaillierte Interieurbeurteilung
  • Hoher Anspruch an Losgelassenheit und Rittigkeit
  • Eleganz und Typ besonders im Fokus

PZV Bayern + weitere regionale Verbände

  • Prüfungen im ganzen Jahr
  • Abweichende Wertungsmodalitäten je nach Standort

Vorbereitung der Stute: Training, Alter & Timing

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Die meisten Stuten absolvieren die SLP im Alter von 3–4 Jahren.

Wichtige Trainingsbausteine

  • Grundausbildung unter dem Sattel
  • Arbeit an der Losgelassenheit
  • Stetiges, nicht überforderndes Krafttraining
  • Einfache gymnastizierende Übungen
  • Frühe Gewöhnung an unterschiedliche Reiter

Praxis-Tipp

Regelmäßiges Freispringtraining (leicht, variabel, nicht zu häufig) verbessert Technik und Selbstvertrauen und wirkt sich positiv auf die SLP-Note aus.

Prüfungsformen: Station – Feld – Kurzprüfung

Stationsprüfung

Die Stute bleibt mehrere Wochen am Prüfungsstandort und wird dort ausgebildet und beurteilt.
Vorteile: Objektiver, intensiver – ideal für Züchter*innen.
Nachteil: Zeit- und kostenintensiv.

Feldprüfung

Die Stute wird nur für den Prüfungstag vorgestellt.
Vorteile: Kostengünstiger, flexibel.
Nachteil: Tagesform zählt stärker.

Kurz- oder Ein-Tagesprüfung

Kompakte Variante, vor allem bei Springstuten beliebt.

Video Tipp: Wer einen besonders anschaulichen Einblick sucht, findet ein ausführliches Video in der ClipMyHorse.TV Academy:

hwarzes Pferd steht in der Reitbahn an der Hand; eine Person hält es am Zügel.Video Button

Bewertung & Notensystem – Was zählt wirklich?

Die wichtigsten Notenbereiche:

Interieur

Charakter, Temperament, Nervenstärke, Leistungsbereitschaft

Rittigkeit

Eigenbenotung + Fremdreiternote (besonders aussagekräftig)

Grundgangarten

Beurteilung der Qualität von Schritt, Trab, Galopp

Springen

Frei oder unter dem Reiter, je nach Verband

Gesamteindruck

Eine Gesamtnote über 7,5 gilt fast überall als sehr gut.
8,0 und höher: häufig prämienwürdig.

Tipps für Züchterinnen und Reiterinnen

Frühzeitig vorbereiten

Stressfreie, kontinuierliche Ausbildung bringt die besten Ergebnisse.

Exterieur mit einbeziehen

Eine gute äußere Erscheinung erleichtert die Eintragung ins Hauptstutbuch.

Nervenstärke fördern

Unterschiedliche Umgebungen, Hängerfahrten, Reithallentraining helfen enorm.

Auf die Tagesform achten

Ein entspanntes Management am Prüfungstag macht oft den Unterschied.

Welche Vorteile bringt eine erfolgreiche Stutenleistungsprüfung?

  • Höhere züchterische Wertigkeit
  • Chance auf Verbandsprämien
  • Bessere Vermarktungsmöglichkeiten
  • Grundstein für eine leistungsstarke Stutenlinie
  • Aussagekräftige Daten für Zuchtprogramme

Gerade in der heutigen Zucht zählt objektive Leistungsprüfung mehr denn je.

Häufige Fragen zur Stutenleistungsprüfung (FAQ)

Wie alt muss eine Stute für die SLP sein?

In der Regel 3–4 Jahre, einige Verbände erlauben auch ältere Stuten.

Wie lange dauert eine SLP?

Feldprüfung: ca. 1 Tag
Stationsprüfung: 3–4 Wochen

Braucht jede Zuchtstute eine Stutenleistungsprüfung?

Für die Eintragung in höhere Bücher und Prämierungen meist ja – für die Grundzucht oft optional.

Was kostet die Teilnahme?

Zwischen 150 € (Feldprüfung) und 1.200 € (Stationsprüfung), abhängig vom Verband.

Werden auch Spezialrassen geprüft?

Ja, u. a. Trakehner, Haflinger, New Forest, Deutsche Reitponys, Warmblutrassen aller Verbände.

Autor*in
Sina WahlMehr VON CMH.TV

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