
Sattelzwang bei Pferden – wenn Satteln zum Problem wird
Sattelzwang zeigt sich, wenn dein Pferd beim Satteln oder Gurten mit Stress und Abwehr reagiert – meist aufgrund von Schmerzen, Druck oder negativen Erfahrungen. Entscheidend ist, die Ursache zu erkennen und gezielt zu beheben, damit Satteln und Reiten wieder entspannt möglich sind.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Sattelzwang beim Pferd?
Unter Reitpferden häufige, aber ernstzunehmende Probleme sind Sattelzwang und Gurtzwang. Sattelzwang umfasst allgemein gesprochen jedwede Abwehrreaktion des Pferdes auf das Satteln: vom Auflegen des Sattels bis zum Gurten, ja, bereits der Anblick des Sattels kann bei manchen Pferden zu abwehrendem Verhalten führen.
Oftmals synonym für Sattelzwang verwendet, wird der Begriff Gurtzwang. Bei Gurtzwang jedoch beschränken sich die Probleme auf die Gurtlage, sobald der Menschen durch den Pferdebauch greift und der Gurt den Bauch berührt.
Wir trennen beide Begriffe nachfolgend strikt voneinander, da schließlich auch die Behandlung von Sattel- und Gurtzwang unterschiedliche sind.
Bei sowohl Sattelzwang als auch Gurtzwang liegen schon über einen längeren Zeitraum größerer Druck und Schmerz beim Pferd vor, sodass es sich jedes Mal beim Anblick und Auflegen des Sattels dagegen wehrt. Auch negative Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Satteln haben sich beim Pferd eingebrannt und führen zu den typischen Symptomen von Sattelzwang. Das Verhalten, dass das Pferd bei Sattel- oder Gurtzwang an den Tag legt, ist dabei nur das Symptom. Die eigentlichen Ursachen liegen tiefer, sind mehr oder weniger losgelöst vom Satteln und Gurten selbst. Diese gilt es herauszukristallisieren und zu eliminieren, damit Satteln und Gurten wieder stressfrei und entspannt verlaufen. Und auf welchen Wegen du Sattelzwang und Gurtzwang beheben und auflösen kannst, darauf gehen wir nachfolgend näher ein.
Symptome: Wie äußerst sich Sattelzwang bei Pferden?
Satteln sollte für jedes Pferd eine schmerz- und stressfreie Aktion sein, genauso wie das Reiten und der Umgang mit dem Menschen im Allgemeinen ebenso. Leider ist es ein typisches Bild in Reitställen, dass Pferde beim Satteln die Ohren anlegen, den Kopf herumwerfen, mit dem Schweif schlagen oder sogar nach dem Reiter beißen, sobald der Sattel auch nur in ihre Nähe kommt. Die Pferde, die solch ein Verhalten an den Tag legen, zeigen auf deutliche Weise, dass ihnen die Situation nicht behagt.
Ein Pferd mit Sattelzwang und Gurtzwang zeigt folgende Stressreaktionen in unterschiedlichen Ausprägungen:
- Ohren anlegen
- Hochgezogene Nüstern und dreieckige Augen (typisches Schmerzgesicht)
- Kopfschlagen
- Schweifschlagen
- Beißen – in den Strick, den Zügel, den Anbindebalken oder nach dem Menschen
- Gähnen oder Schlecken als Übersprungshandlung
- Treten
- Unruhe, Tänzeln
- Hochgezogener Bauch, angehaltene Luft oder schnelles Atmen
- Übermäßiges Schwitzen auch ohne körperliche Anstrengung
- Weggedrückter Rücken
- Beim Reiten steifer, klemmiger und zurückhaltender Gang
- Weiße Stichelhaare auf Widerrist und in der Sattellage bei hohen Druckspitzen des Sattels
- Atrophierte Muskulatur und Leistungsabfall
Ein Pferd mit Sattelzwang fühlt sich mit der Situation nicht wohl und wird starke Stress- oder sogar Schmerzsymptome zeigen. Werden diese Anzeichen und höflich gemeinten Hinweise des Pferdes übergangen, wegignoriert oder es sogar für diese bestraft, steigt das Frustrationslevel des Pferdes. Es wird in der Folge ungewünschte Verhaltensweisen etablieren, die sich sogar in Verhaltensstörungen, wie Koppen, steigern können.
Bei den ersten Symptomen für Sattelzwang ist eine dringende Reaktion nötig, indem man auf Ursachenforschung geht, damit das Satteln und Gurten für das Pferd wieder positiv belegt werden.
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Ursachen für Sattelzwang – was kann Sattelzwang hervorrufen?
Sattel, Satteldecke, Sattelgurt
Die absolute Nummer 1 für Sattelzwang bei Pferden ist eine nicht passende und drückende Ausrüstung. Allen voran ein unpassender Sattel, der auf dem langen Rückenmuskel, der Wirbelsäule, dem Widerrist, den Schulterblättern oder dem Lendenbereich starke Druckspitzen ausübt. Ein Pferd verändert sich körperlich aus verschiedenen Gründen, weshalb auch der Sattel früher oder später nicht mehr die richtige Passform hat. Es kommt zu einer Schieflage, das Gewicht wird nicht mehr optimal verteilt und der Satteldruck löst Unbehagen aus. Wird der Sattel nicht neu angepasst, atrophiert die Muskulatur unter diesen Druckspitzen und auf lange Sicht kommt es zu einem Leistungsabfall. Ein unschönes Anzeichen für einen reibenden, unpassenden Sattel sind weiße Stichelhaare: Hier haben hoher Druck und starke Reibung über einen längeren Zeitraum stattgefunden, sodass die Haut und Haarfollikel beschädigt wurden. In der Folge wachsen weiße Haare nach.
Das Schweißbild unter dem Sattel gibt ebenfalls Aufschluss darüber, ob ein Sattel passt oder ob die Gewichtsverteilung suboptimal ist.
Auch Satteldecke und Sattelgurt können zu Unbehagen und Sattelzwang beim Pferd führen. Eine Satteldecke, die Falten schlägt, oder Hautfalten, die durch einen unpassenden Sattelgurt entstehen, führen zu Reibungen, Schmerzen und prägen sich negativ beim Pferd ein.
Die Art und Weise des Sattelns
Auch der Mensch hat seinen Anteil an den Gründen für den Sattelzwang seines Pferdes: Hektisches, unnachsichtiges Satteln und Gurten, das schnelle „Draufschmeißen“ des Sattels und direktes Festzurren des Gurtes führen zu Beklemmungen beim Pferd und einer entsprechenden Reaktion. Wird bereits beim Anreiten des Jungpferdes auf diese ruppige Art vorgegangen, wird der Sattel für das Pferd immer mit negativen Erfahrungen verknüpft sein. Selbst, wenn der nachfolgende Besitzer das Satteln und Gurten ruhiger angeht, haben sich die unschönen Gefühle und Bilder beim Pferd bereits eingeprägt – sie loszuwerden und zu überschreiben, ist dann nur mit viel Geduld, Feinfühligkeit und Zeit verbunden.
Sattelzwang und Gurtzwang können auch kurzzeitig und plötzlich auftreten, wenn der letzte Ritt für das Pferd mit Stress verbunden war. Dann hilft es, schnellstmöglich die Reitweise zu überdenken und dem Pferd beim nächsten Satteln und Reiten wieder positive Erfahrungen zu bescheren, damit sich die negativen Erfahrungen nicht im zukünftigen Verhalten „festsetzen“.
Tieferliegende Probleme: Magengeschwüre und Sattelzwang
Aber auch tieferliegende Probleme können einen Sattelzwang hervorrufen: Magenprobleme wie Magenschleimhautreizungen oder Magengeschwüre sind ein häufiger Grund für Sattelzwang. Magengeschwüre verursachen Bauchschmerzen, die sich beim Pferd wie bei einer Kolik durch Unruhe oder Kopf Herumschmeißen äußern. Pferde mit Bauchschmerzen zeigen besonders beim Gurten Abwehrreaktionen, da der Gurt Druck auf den ohnehin schmerzenden Magen ausübt. Daher ist Gurtzwang bei Pferden mit Magengeschwüren keine Seltenheit und ein klares Indiz für klinische Probleme.
Nicht nur das Gurten, auch das Satteln kann bei Magenproblemen zu Abwehrreaktionen führen, da vom Magen aus Nerven über den Rücken und Widerrist hin zum Gehirn verlaufen. Somit erfolgt die Schmerzübertragung vom Magen ausgehend ebenfalls über die Sattellage. Die Muskulatur spannt sich dann an und verstärkt die Symptome noch weiter.
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Ein Fall für den Physiotherapeuten
Der regelmäßige Check-up durch einen Physiotherapeuten oder Osteopathen ist für Reitpferde unerlässlich, um Blockaden aufzudecken und zu lösen. Nicht nur das Reiten selbst, auch die Haltung, das Herumtoben mit Artgenossen oder ähnliches können zu Verspannungen in der Muskulatur oder Blockaden in Rippen und Brustbein führen. Es ist daher gut und wichtig, einen Experten jährlich über das Pferd schauen zu lassen, der potenzielle Blockaden lösen kann. Diese können nämlich schon allein für sich zu Unbehagen beim Pferd führen. Kommt noch der Sattel hinzu, wird das Pferd sich gegen diesen
Sattelzwang beheben – kurzfristig und langfristig
Sattelzwang beim Pferd zu beheben und zu lösen ist nicht unbedingt die leichteste und schnellste Aufgabe. Je nachdem, wie lange der Sattelzwang bereits besteht, sollte der Mensch viel Feingefühl, Zeit und Geduld mitbringen, um das Pferd von seinem Zwang zu befreien. Pferde denken nicht rational, sondern in Bildern, die sich im Hirnstamm eingeprägt haben. Diese Bilder negativer Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Satteln und Gurten müssen mit neuen Bildern positiver Erfahrungen überschrieben werden. Daher sollten die Ursachen für den Sattelzwang beim Pferd zuallererst ausgemerzt werden. Und wie diese Lösung aussieht, ist von der Problemursache abhängig.
Gesunder Magen
Ist der Magen Ursache für den Sattelzwang, ist eine Behandlung durch den Tierarzt mit verschriebenen Medikamenten der richtige Weg. Der Tierarzt wird zuerst eine Gastroskopie durchführen, um Magenschleimhautreizungen oder Magengeschwüre zu diagnostizieren. Daraufhin wird eine Therapie mit Medikamenten wie Säureblockern festgelegt, die die Magenschleimhaut beruhigen, damit die Wunden in der Schleimhaut ausheilen können.
Auf lange Sicht bedeutet die Behandlung von Magengeschwüren auch eine Umstellung der Haltung und Fütterung des betroffenen Pferdes. Stress beim Pferd (durch Gruppenzusammenstellung, zu lange Fresspausen, zu wenig Raufutter, zu wenig Bewegung) muss reduziert werden, damit die Magenschleimhaut sich beruhigt.
Waren Bauchschmerzen Grund für die Abwehrreaktionen des Pferdes auf das Satteln, sollten diese mit der richtigen medizinischen Behandlung schnell deutlich weniger werden.
Fütterungstipps bei Sattelzwang und Magengeschwüren:
Achte bei der Fütterung deines Pferdes auf ausreichend ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren. Diese wirken entzündungshemmend und können neben Medikamenten unterstützend im Kampf gegen eine gereizte Magenschleimhaut sein.
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Sattel & Satteldecke
Ein regelmäßiger Sattelcheck durch einen Sattler oder Sattelanpasser, um Sattelzwang zu beheben und zu verhindern, ist unumgänglich. Das Gebäude des Pferdes verändert sich durch Training, Trainingspausen, Krankheit, Temperaturschwankungen, Stress etc. Daher ist ein einmal angepasster Sattel kein Garant für eine dauerhaft optimale Passform.
Überprüfe regelmäßig selbst die Weite des Kopfeisens und die Qualität der Sattelkissen: Verlaufen die Schenkel des Kopfeisens parallel zu den Schulterblättern? Sind die Sattelkissen gleichmäßig und ausreichend gefüllt? Sind sie zu nicht hart, nicht zu weich, ohne Knoten? Nur mit einer regelmäßigen Kontrolle des Sattels kannst du Sattelzwang durch unpassende Ausrüstung vermeiden.
Achte beim Satteln auch auf die Sattelunterlage: Die Satteldecke sollte zur Größe des Sattels passen, die Sattelkissen dürfen nicht auf der Außennaht der Decke aufliegen. Nach dem Gurten darf die Decke keine Falten und Knubbel bilden, die zu Druckspitzen führen. Kammer die Satteldecke auch ordentlich ein, damit der Schabrackenrand nicht auf dem Widerrist aufliegt, drückt und reibt. Um Reibungen in der Sattellage zu vermeiden, gehört auch eine regelmäßige Reinigung der Sattelunterlage dazu. Angesammelter Schmutz nimmt der Satteldecke die Fähigkeit Schweiß aufzusaugen, in dessen Folge es zur Reibung kommt.
Tipp für empfindliche Pferden: Satteldecken und Schabracken mit Lammfell sind besonders weich, vermeiden Haarbruch und können bei empfindlichen Pferden das Unbehagen reduzieren.
🎥 Videotipp: Ausrüstung im Fokus – Warnsignale beim Pferd erkennen
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Verhaltenstraining und positive Verstärkung gegen den Sattelzwang
Sind alle klinischen und anderen gesundheitlichen Ursachen aus dem Weg geschafft und wurde die Ausrüstung auf ihre Passform überprüft, kann es immer noch sein, dass das Pferd Unbehagen beim Satteln und Gurten zeigt. Dann besteht die Möglichkeit, dass das Pferd die Schmerzerinnerungen nicht überschrieben hat und daher beim Anblick des Sattels „aus Gewohnheit“ Abwehrreaktionen zeigt. Mit dem richtigen und feinfühligen Training kann das Pferd „umkonditioniert“ werden. Dabei darf das unerwünschte Verhalten auf keinen Fall bestraft werden! Bedenke, dass seine Abwehrhaltung berechtigt war.
Sitzen die Traumata beim Pferd nicht zu tief, kann es bereits ausreichen, das Satteln langsam, ruhig und kleinschrittig zu gestalten. Führe das Pferd langsam an den Sattel heran und hole dir für jeden nächsten Schritt die Bestätigung des Pferdes ein, einen Schritt weitergehen zu dürfen. Sieh das Satteln als Dialog und nicht als notwendiges Übel, um zum eigentlichen „Vergnügen“ zu kommen.
Eine gute Trainingsmethode, um Sattelzwang abzutrainieren, ist positive Verstärkung (vorausgesetzt das Pferd hat keine begründeten Schmerzen. Sonst würde das Pferd beigebracht bekommen, die Schmerzen auszuhalten, anstatt sie anzuzeigen). Bei positiver Verstärkung wird das gewünschte Verhalten durch Hinzufügen eines Lobs verstärkt und bekräftigt. Die Kommunikation und Kooperation mit dem Pferd steht bei dieser Trainingsmethode im Vordergrund und kann daher ein sehr guter Weg aus dem Sattelzwang darstellen.
Rücken- und Aufbautraining bei Sattelzwang
Ein Sattel und Reiter gehören nicht auf ein Pferd mit schwachem, hängendem Rücken oder gar ein Pferd mit Trageerschöpfung. Ein Pferd, dem eine stabile und tragfähige Rücken- und Bauchmuskulatur fehlen, kann ebenfalls Sattelzwang zeigen. Um Sattelzwang zu lösen, kann also ein strategisches Aufbautraining Abhilfe schaffen, das du vom Boden aus beginnst: Longenarbeit, Stangenarbeit, Balancetraining und Spaziergänge im hügeligen Gelände trainieren ohne Reitergewicht und Sattel die tragende, haltgebende und stabilisierende Rumpfmuskulatur des Pferdes.
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Zu guter Letzt noch der Tipp: Bleib dran und schaffe Routine, denn diese kreiert Sicherheit. Pferde sind Gewohnheitstiere, die sich in ihren täglichen Routinen sicherfühlen. Mit Regelmäßigkeit und vielen Wiederholungen von positiven Erfahrungen kannst du Schritt für Schritt antrainiertes Fehlverhalten und Unsicherheiten in deinem Pferd eliminieren.
Richtiges Gurten gegen Gurt- und Sattelzwang
Korrektes Gurten ist nicht nur bei einem Pferd mit Sattelzwang notwendig. Jedes Pferd sollte vor dem Reiten korrekt gegurtet werden. Dazu zählt, dass der Sattelgurt nicht direkt nach dem Anlegen festgezurrt wird. Pferde blähen sich beim Satteln erst einmal auf und halten die Luft im Bauchraum fest, um eine Art Polster zum Schutz ihrer inneren Organe zu bilden. Nach ein paar Minuten lassen Pferde diese aufgestaute Luft nach und nach ab, der Gurt wird locker und muss nachgezogen werden. Das ist ein ganz normaler Prozess, den so ziemlich jedes Pferd verfolgt – egal, ob mit oder ohne Gurtzwang. Gib dem Pferd beim Gurten Zeit. Gurte zeitversetzt, auf beiden Seiten gleichmäßig und ziehe immer nur so weit den Gurt an, wie du problemlos in das nächste Loch kommst. Achte darauf, dass der Gurt zum Schluss auf beiden Seiten und in allen Gurtstrippen auf derselben Höhe ist, damit sich der Druck gleichmäßig verteilt.
Zwischen Sattelgurt und Ellenbogen muss eine flache Hand Platz haben. So bleibt die Bewegungsfreiheit der Pferdeschulter erhalten und der Sattelgurt zwickt nicht.
Wie fest darf man gurten, um Gurt- und Sattelzwang zu vermeiden? Der Gurt darf nur so weit angezogen werden, dass das Pferd noch Spielraum hat, seinen Brustkorb zum Atmen aufwölben zu können. Der Sattelgurt ist wie bei uns Menschen der Gürtel: Niemand fühlt sich mit einem festgezurrten Gürten wohl, der einem die Luft zum Atmen abschnürt. Zu festes Nachgurten hindert die Atemwegsmuskulatur sich frei zu entfalten. Kann das Pferd nicht freiatmen, kommt es zu Leistungseinschränkungen und eventuell sogar körperlichen Problemen.
Der richtige Sattelgurt bei Gurt- und Sattelzwang
Und wenn wir schon beim Thema Sattelgurt sind: Welcher Gurt ist bei Sattelzwang zu empfehlen?
Pferde mit Sattelzwang reagieren sensibler auf das Gurten als andere Pferde. Es kann daher schon einmal hilfreich sein, einen Sattelgurt mit weichem Lammfell zu wählen, der weich auf der Haut liegt. Lammfell hat viele positive Eigenschaften, wie beispielsweise sein großes Wasseraufnahmevermögen. Dadurch staut sich nicht der Schweiß unter dem Sattelgurt und reibt, sondern bleibt auch während des Trainings angenehm trocken. Sattelgurte mit Teddyfell können ebenfalls eine Möglichkeit für empfindliche Pferde sein. Allerdings besteht Teddyfell aus Kunstfasern und ist bei Weitem nicht so für Schweiß aufnahmefähig wie echtes Lammfell.
Weiterhin spiel die Form des Sattelgurts eine vordergründige Rolle, denn ein Sattelgurt mit korrekter Passform umschließt den Rumpf des Pferdes optimal. Es gibt verschiedene Formen von sowohl Kurzgurten als auch Langgurten, die zu den verschiedenen Pferdetypen passen:
- Mondgurt: bauchige Pferde mit viel Volumen
- Asymmetrischer Sattelgurt: Pferde mit wenig Gurtlage hinter dem Ellenbogen
- Anatomischer Sattelgurt: Pferde mit viel Gurtlage hinter dem Ellenbogen
Wichtige Fragen zum Thema Sattelzwang bei Pferden
Wer diagnostiziert Sattelzwang?
Da die Ursachen für Sattelzwang beim Pferd komplex sein können, ist ein Zusammenspiel verschiedener Experten sinnvoll.
- Tierarzt: Liegen Bauchschmerzen vor, ist der Tierarzt die richtige Adresse. Grundsätzlich sollte ein Tierarzt immer der erste Ansprechpartner sein, wenn das Verhalten des Pferdes von seinem Normalverhalten abweicht.
- Sattler-Check: Der Sattel als Verbindungsstück zwischen Reiter und Pferd muss in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Sattler oder Sattelanpasser sind hierfür die richtigen Ansprechpartner.
- Osteopath und Physiotherapeut: Wird der Sattelzwang durch Blockaden und Muskelverspannungen ausgelöst, muss ein Osteopath oder Physiotherapeut Hand ans Pferd anlegen. Frage dich aber auch, warum eine physiotherapeutische Behandlung überhaupt nötig ist. Vielleicht kann hier ein Reitlehrer mit dir auf Ursachenforschung gehen und die (reiterlichen) Hürden angehen, bevor sie zum Problem werden.
- Besitzer: Jeder Besitzer sollte nicht nur sein Pferd, sondern auch sein eigenes Verhalten und seinen Umgang mit dem Pferd reflektieren. Auch die Umgebung kann ein ausschlaggebender Punkt für Stress beim Pferd sein, auf die der Pferdebesitzer ein Auge haben sollte.
Wie oft sollte ich den Sattel anpassen, um Sattelzwang zu vermeiden?
Empfohlen wird, den Sattel einmal im Jahr überprüfen und gegebenenfalls anpassen zu lassen. Die Sattelpolster sind mit Wolle gefüllt, die sich durch Kompression und je nach Nutzungsintensität festsetzen kann. Dann muss sie neu aufgefüllt und eventuelle Knötchen gelöst werden, um Druckspitzen zu vermeiden. Neben der jährlichen Empfehlung ist eine Sattelanpassung von Alter des Pferdes, Training, Trainingsintensität, Krankheit etc. abhängig. Weitere Richtwerte für Zeitabstände zwischen den Sattel-Checks können sein:
- Jungpferde und Pferde im Aufbautraining: Alle 3 Monate
- Freizeitpferde: Jährlich
- Pferde im aktiven Training und Sport: 1-2x jährlich
- Nach Krankheit oder langer Pause: Direkt zu Beginn des Aufbautrainings, dann ca. alle 3 Monate
Kann ich mein Pferd mit Sattelzwang reiten?
Verspürt das Pferd Druck und Unbehagen beim Satteln und Gurten, hat das seine berechtigten Gründe. Der Sattelzwang wird sich dann auch beim Reiten bemerkbar machen, indem das Pferd verhalten, steif und klemmig läuft oder sogar buckeln, steigen und nach dem Reiterbein treten oder beißen wird. Dieses Verhalten kann und darf nicht „überritten“ werden – die Probleme müssen an der Wurzel gepackt und herausgerissen werden!
Ein Pferd, das sich mit seinem Sattel, Gurt und Reiter wohlfühlt, wird auch besser und entspannter laufen. Ein Pferd mit Sattelzwang sollte also nicht einfach geritten werden, ohne vorher die Probleme vom Boden aus mit viel Zeit und Geduld eliminiert zu haben.
