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Equines Sarkoid – alles, was du über den Hauttumor beim Pferd wissen musst!
Sarkoide beim Pferd sind meist gutartige Hauttumore, die jedoch stark wachsen können, bis sie das Pferd in seinem Wohlbefinden einschränken können.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Sarkoid beim Pferd?
Das Equine Sarkoid ist der häufigste Hauttumor beim Pferd, wobei 2 bis 8 % aller Equiden an einer Form des Sarkoids leiden. Betroffen sein können neben Pferden und Eseln auch Mulis und Zebras. Das Equine Sarkoid ist ein gutartiges Hautgeschwulst, das einzeln (solitär) oder an mehreren Stellen (multipel) auftreten kann. Es bildet allerdings keine Metastasen, greift also keine inneren Organe an; stattdessen wuchert es ins umliegende Gewebe.
Als Auslöser beschreiben Experten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, wobei das bovine Papillomavirus in Kombination mit Hautverletzungen, einem schwachen Immunsystem und mangelhafter Hygiene beschrieben wird.
Sarkoide sind beim Pferd nicht tödlich, können es allerdings in seinem Wohlbefinden massiv beeinträchtigen. Daher stellen Sarkoide nicht allein ein kosmetisches Problem dar: Sie sind ein Hautkrebs beim Pferd, der vom Tierarzt behandelt werden muss.
Das Equine Sarkoid darf nicht mit Sarkoidose verwechselt werden, einer Entzündung, die auch auf die inneren Organe wie die Lunge übergeht.
Ursachen: Wie oder warum entsteht ein Sarkoid?
Über die genauen Ursachen des Equinen Sarkoids bleiben nach wie vor viele Fragen offen. Sicher sind sich Experten allerdings darüber, dass der Auslöser multifaktoriell ist und der wulstige Hauttumor beim Pferd durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren hervorgerufen wird. Klar ist man sich auch darüber, dass es durch eine lokale Infektion mit Viren ausgelöst werden kann. Eines der Hauptakteure ist hierbei das bovine Papillomavirus – ein Virus, das man eigentlich von Rindern kennt. Damit ein Pferd allerdings für das Virus bzw. für eine Infektion dessen empfänglich ist, müssen einige weitere Faktoren mitspielen.
Begünstigende Faktoren für Sarkoide beim Pferd können sein:
- Genetische Veranlagung
- Kleine, unscheinbare Hautverletzungen
- Insekten wie Fliegen, vor allem im Sommer
- Ein schwaches Immunsystem
- Stressauslösende Umweltfaktoren, da Stress die Immunabwehr heruntersetzt
- Stoffwechselstörungen mit überforderter Leber und Niere
Eine genetische Veranlagung in der Empfänglichkeit für Papillomaviren lässt sich darin erklären, dass Sarkoide in einigen Zuchtlinien gehäuft auftreten können.
Weiterhin benötigen die Papillomaviren eine Eintrittspforte, da es sich um Hautkrebs auslösende Viren handelt. Hier sind vor allem kleine, unbemerkte Verletzungen der Stolperstein. Kommen dann bei hohen Temperaturen Fliegen auf die Wunde, agieren diese als potenzielle Überträger der Viren. Das Equine Sarkoid lässt sich nicht auf direktem Wege von Pferd zu Pferd übertragen. Es braucht sogenannte Vektoren, potenzielle Überträger. Und hierbei stehen Fliegen und andere Insekten ganz oben auf der Liste. Da Sarkoide häufig in den Bereichen vorkommen, die auch Fliegen an Pferden bevorzugen, wie Gesicht oder den inneren Schenkelbereich, liegt es nahe, Fliegen als Überträger herauszukristallisieren. Aber auch Putzzeug, Sattelgurte und Satteldecken, die von mehreren Pferden genutzt werden, können die Viren zwischen den Pferden übertragen.
Aus diesem Grund ist der Fliegenschutz im Sommer wichtig.
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Symptome – wie erkenne ich ein Sarkoid beim Pferd?
Sarkoide können sich anfangs sehr unauffällig verhalten, sodass man sie erst gar nicht bemerkt. Manche Hautveränderungen erinnern auch an Mauke, weshalb der Hautkrebs mit dieser in seinem Anfangsstadium verwechselt wird. Auch der Fehler der Verwechslung mit Warzen unterläuft Pferdebesitzern relativ häufig. Die Unterscheidung zu anderen Hauterkrankungen ist vor allem im frühen Krankheitsverlauf nicht ganz so einfach. Umso wichtiger ist es, dass man bereits bei den kleinsten Haut- und Fellveränderungen genauer hinschaut, diese ernstnimmt und dementsprechend den Tierarzt holt.
Wie erkennst du also, ob es sich um ein Sarkoid beim Pferd handelt?
Am häufigsten treten Sarkoide in Bereichen mit dünner Haut und wenig Fell auf, wo Feuchtigkeit hinzukommt. Das sind die Kopfbereiche wie Augen, Nüstern, das Maul oder der Ohrenansatz oder auch die Genitalregion. Bei Wallachen und Hengsten entstehen Sarkoide auch gerne einmal am oder im Schlauch. Aber auch Körperbereiche, wo kleine Verletzungen leicht übersehen werden und viel Reizung entsteht, sind „Sarkoid-Hotspots“. Hier sind es vor allem die Achseln, der Rumpf zwischen den Vorderbeinen, die Gurtlage oder auch die Innenschekel.
In diesen Bereichen lassen sich Hautveränderungen und Hautirritationen wie Rötungen oder Entzündungen erkennen. In der Folge kann das Pferd in diesen Bereichen auch das Fell verlieren. Aber auch Knubbel, kleine oder größere Wucherungen und Schwellungen sind Signale für Sarkoide. Je nach Sarkoidform können auch Knoten entlang der Lymphbahnen entstehen.
Manche Sarkoide setzen ein Sekret ab, das das umliegende Gewebe weiter reizt. Im Sommer zieht das Sekret Fliegen und Maden an, was zwingend vermieden werden muss, um eine Ausbreitung des Sarkoids zu verhindern.
Aussehen & Formen des Equinen Sarkoids
Sarkoide können sehr unterschiedlich aussehen, was es hin und wieder selbst Experten schwermacht, Sarkoide von anderen Tumoren, Entzündungen und Infektionskrankheiten zu unterscheiden. Vor allem in ihrem Anfangsstadium sind sie so unauffällig, das sie eine Zeit lang unbemerkt bleiben. Doch Sarkoide wachsen, beginnend von kleinen Haut- und Fellveränderungen bis hin zu Wucherungen, die das Pferd je nach Form sogar in seiner Bewegung behindern können.
Es sind 6 Formen des Equinen Sarkoids bekannt:
- Okkult
- Verrukös
- Nodulär
- Fibroblastisch
- Gemischt
- Malevolent (bösartig)
Es gibt milde und aggressive Formen, wobei sich ein mildes, gutartiges Sarkoid auch in eine aggressive Form verändern kann – entweder ohne erkennbaren Grund oder durch Reizung und Manipulation. Daher müssen Sarkoide zwingend durch einen Tierarzt behandelt werden.
Okkultes Sarkoid (verdeckt)
Ist ein Sarkoid okkult, hält es sich bedeckt und vor allem anfangs unauffällig. Man erkennt es nur an flachen, haarlosen Stellen, deren Oberfläche auch schuppig erscheinen kann. Betroffen sind vor allem dünn behaarte Körperbereiche. Da sich diese Form des Hautkrebses beim Pferd verdeckt hält und nur langsam entwickelt, wird sie auch leicht mit anderen Hautproblemen verwechselt.
Verruköses Sarkoid (warzenartig)
Verruköse Sarkoide beim Pferd werden häufig mit Warzen verwechselt, da sie eine ebenso knubbelige und raue Oberfläche aufweisen. Zudem wachsen sie im Gegensatz zu allen anderen Formen relativ langsam und sind daher nicht als sonderlich aggressiv einzustufen. Warzenartige Wucherungen können dennoch sehr große Bereiche einnehmen und eben dann das Pferd in seiner Bewegung oder seinem Wohlbefinden einschränken.
Noduläres Sarkoid (knotenartig)
Noduläre Sarkoide lassen sich unter dem Fell als feste, verschiebliche Knubbel ertasten. Sie können einzeln (solitär) oder in Gruppen (multipel) auftreten und sind meist ein Anzeichen für einen ernsthaften Krankheitsverlauf. Bei Schimmeln werden noduläre Sarkoide häufig mit schwarzem Hautkrebs (Melanom) verwechselt.
Fibroblastisches Sarkoid (faserbildend)
Die großen, fleischigen und blumenkohlartigen Wucherungen des fibroblastischen Sarkoids zählen schon zu den aggressiven Formen der Sarkoide beim Pferd. Die Wucherungen dringen tief in das umliegende Gewebe ein, weshalb sie sich nur schwer entfernen lassen. Eine unzureichende Behandlung erhöht das Risiko, dass fibroblastische Sarkoide immer wieder kommen. Auch können sie leicht bluten und damit eine gefährliche Eintrittspforte für weitere Infektionen darstellen.
Mischform
Ihr vielfältiges Auftreten macht die Behandlung von gemischten Sarkoiden besonders schwer. Meist setzen sich Mischformen aus verrukösen und fibroblastischen Sarkoiden zusammen. Auch unentdeckte Sarkoide, die nicht behandelt, stattdessen weiter gereizt werden, können sich zu Mischformen entwickeln.
Malevolente Sarkoide (bösartig)
Malevolente Sarkoide sind die aggressivste Form der Sarkoide, die zwingend einer intensiven Behandlung durch den Tierarzt bedürfen. Bösartige Sarkoide können nämlich nicht nur das umliegende Gewebe schädigen, sondern sich auch auf die Lymphbahnen ausbreiten.
Klinisch oder Biopsie – Diagnose von Sarkoiden beim Pferd
Sobald du den Verdacht auf Sarkoid hast, unternimm auf keinen Fall die eingehendere Untersuchung selbst in die Hand. Jede Reizung fördert die Wucherung des Sarkoids! Auch das eigenständige Experimentieren wie das Einschmieren mit Zinksalbe, um sekretierende Sarkoide austrocknen zu wollen, solltest du dringend unterlassen. Überlass die Diagnose immer dem Tierarzt und rufe ihn lieber zu früh als gar nicht.
Da selbst kleinste Berührungen das Sarkoid zu weiterem Wachstum reizen können, geschieht die Diagnose des Tierarztes meist ausschließlich klinisch, das heißt allein durch Betrachten des Erscheinungsbildes. Eine Biopsie kann zwar eine zuverlässige Aussage über die Form des Sarkoids gewährleisten, woraufhin man eine Basis für den Therapieplan hat. Jedoch kann die Gewebeprobe unkontrolliertes Wachstum fördern. Zudem bietet die Einstichstelle eine hervorragende Eintrittspforte für Viren und Bakterien, die zu Folgeinfektionen führen können.
Zwar sind Sarkoide beim Pferd grundsätzlich nicht tödlich, aber eine frühzeitige Diagnose kann die Ausbreitung verhindern. Denn bedenke: Sarkoide beim Pferd sind kein kosmetisches Problem, sondern eine behandlungswürdige Tumorerkrankung.
Was tun bei Sarkoid beim Pferd?
Im ersten Schritt solltest du sichergehen, dass die betroffenen Hautareale vor weiteren Berührungen und Irritationen geschützt werden. Das Pferd sollte diese Bereiche vor allem nicht kratzen oder beißen. Im Sommer kommt außerdem der Fliegenschutz hinzu.
Es gibt über 40 Herangehensweisen, um Sarkoide beim Pferd zu therapieren. Die Wahl fällt abhängig von Form des Sarkoids, seiner Lage, Länge und Größe aus – es gibt hierfür keine universelle Therapie. Manchmal kann es sogar der beste Weg sein, gar nichts zu unternehmen, sondern die Immunabwehr des Pferdes seine Arbeit machen zu lassen. Dann fällt das Sarkoid von allein ab. Doch nicht immer reicht warten und zuschauen aus, um Sarkoide zu behandeln. Deswegen stellen wir nachfolgend einen Auszug der wichtigsten Therapieformen für Sarkoide beim Pferd vor.
Chirurgie
In der Krebstherapie – Sarkoide gehören zu den Hautkrebsen – gibt es drei Säulen: Die Chirurgie, die Chemotherapie und die Strahlentherapie.
Ein chirurgischer Eingriff kommt bei der Behandlung eines Equinen Sarkoids nur in Frage, wenn ein sicherer Abstand zwischen Sarkoid und Hautgewebe hergestellt werden kann. Es muss sich um ein gut abgrenzbares Geschwulst handeln. Sonst besteht die Gefahr, dass das Sakoird nicht komplett entfernt wiederkommt oder Tumorzellen „verschleppt“ und der Krebs an anderer Stelle nachkommt. Daher muss bei der chirurgischen Entfernung des Sarkoids noch 2 cm umliegendes, gesundes Gewebe mitentfernt werden. Dennoch kann bei diesem Eingriff immer die Möglichkeit bestehen, dass der Hautkrebs beim Pferd zurückkehrt. Daher gibt es weitere Therapieformen der Chirurgie, die eine sinnvolle Ergänzung darstellen können:
- Lasertherapie: hier besteht nur ein geringes Risiko, dass Tumorzellen „verschleppt“ werden und sich das Sarkoid an anderer Stelle festsetzt
- Elektrochirurgie
- Kryochirurgie: Tumorzellen reagieren äußerst empfindlich auf starke Temperaturschwankungen, weshalb das Sarkoid rasch auf -20°C gefroren und dann wieder aufgetaut wird
Erst nach sechs Monaten nach der Behandlung lässt sich sicher sagen, ob der Eingriff tatsächlich erfolgreich war. Doch leider kommt der Hautkrebs bei ungefähr der Hälfte der Fälle wieder zurück.
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Chemotherapie
Ein Sarkoid kann auch lokal mit Salben oder Injektionen behandelt werden. Hierfür wird entweder die Salbe auf den Tumor aufgetragen oder das Mittel direkt in die Geschwulst eingespritzt. Beide Varianten sind äußerst langwierig, da sie auch erst mit einigem Wochenabstand wiederholt werden können. Außerdem muss das Pferd bei der Injektion unter Kurznarkose gelegt werden.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird oftmals bei nicht-operablen Tumoren gewählt. Die Bestrahlung bewirkt, dass sich die Tumorzellen nicht weiter teilen und damit ausbreiten. Auf lange Sicht bildet sich das Sarkoid zurück und fällt schließlich ab. Die Strahlentherapie hat bei der Behandlung von Sarkoiden eine relativ hohe Erfolgsquote. Dennoch sinkt die Erfolgsquote mit der Größe des Tumors und der Häufigkeit der erfolglosen Behandlungsversuche.
Das Pferd muss für die Strahlentherapie unter Vollnarkose gelegt werden, um ruhig vor dem Bestrahlungsgerät zu liegen. Dieses wird präzise eingestellt, damit wirklich nur das krankhafte Gewebe bestrahlt wird.
Alle drei Formen der Krebstherapie können bei der Behandlung von Equinen Sarkoiden kombiniert werden, um die Erfolgschancen zu erhöhen.
Alternative Therapieformen bei Equinen Sarkoiden
Alternativ kann der Tierarzt auch Salben verschreiben, die den Tumor behandeln können. Hierfür kommen Salben mit Thuja, Mistelkraut, Sonnenkraut, Propolis, Gelb-, Blut- oder Krebswurz in Frage. Der Erfolg mit Salben ist von der Größe des Tumors abhängig.
Eine weitere Möglichkeit liegt in der Immuntherapie: Das Immunsystem des Pferdes wird animiert, sich selbst gegen die Tumorzellen zur Wehr zu setzen. Das erfolgt mit entweder bakteriellem Impfstoff oder autologem Impfstoff. Letzterer wird aus Teilen des Tumors gewonnen und ist nach circa 10 Tagen hergestellt. Autologe Impfstoffe können auch zur Prophylaxe in ganzen Pferdegruppen eingesetzt werden, damit die Pferde weniger empfänglich für Sarkoide sind. Die Sarkoid-Impfung muss zweimal im Abstand von ungefähr drei Wochen verabreicht werden.
Einfluss der Fütterung und des Immunsystems bei Equinem Sarkoid
Der Organismus des Pferdes braucht bei der Bekämpfung von Sarkoiden ein starkes Immunsystem, um mit den Tumorzellen fertig zu werden. So kann es nicht nur die Hautkrebs auslösenden Viren abwehren, sondern sich auch bei der Bekämpfung entstandener Sarkoide leichter zur Wehr setzen.
Das Immunsystem des Pferdes wird durch verschiedene Faktoren geschwächt. Zum einen spielt Stress hier eine entscheidende Rolle. Das bei Stress ausgeschüttete Hormon Cortisol schwächt die Immunabwehr und belastet den Stoffwechsel. Daher können auch häufig Pferde mit Stoffwechselproblemen wie Mauke, Juckreiz und Übergewicht von Sarkoiden betroffen sein. Aber auch Verdauungsprobleme beim Pferd wie Kotwasser und Durchfall sind Anzeiger für ein schwaches Immunsystem, da im Darm viele Immunzellen gebildet werden. Zeigt das Pferd Blähungen oder Kotwasser, ist die Darmflora gestört und damit nicht fähig, ausreichend Immunzellen zu bilden. Das Pferd wird damit empfänglicher für Viren wie die Sarkoid auslösenden bovinen Papillomaviren.
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Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Der Pferdefütterung bei Sarkoiden. Das Sarkoid ist nicht das eigentliche Problem, mit dem das Pferd zu kämpfen hat. Sarkoide sind nur die Spitze des Eisbergs, die Ursachen dafür liegen viel tiefer und oftmals in einer mangelnden Grundversorgung mit Nährstoffen begründet. Der erste Blick sollte daher auf die Mineralversorgung gelegt werden: Ist das Pferd mit allen Spurenelementen versorgt? Ist der Bedarf an Zink, Mangan und Kupfer gedeckt? Erhält das Pferd ein Mineralfutter, deren Nährstoffe organisch verfügbar sind?
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Jede Behandlung von Sarkoiden sollte mit der Unterstützung der Entgiftungsorgane Leber und Niere einhergehen. Ein Pferd, das Schadstoffe nicht abbauen und seinen Körper entgiften kann, häuft sich selbst Toxine im Körper an, die ihm auf Dauer schaden. Leber und Niere können mit Löwenzahn, Brennnessel und Mariendistel unterstützt werden.
Und schließlich sollte die Darmflora mit der korrekten Fütterung gepflegt werden, um die Absorption von Nährstoffen zu verbessern. Eine schwache Darmflora ist nicht fähig, Nährstoffe aus dem Futter zu absorbieren – sie werden ungenutzt ausgespült, was den Mangel an Spurenelementen provoziert. Ist die Darmflora bereits aus dem Gleichgewicht gebracht, kann sie mithilfe von Futterkohle und hefepilzhaltigen Futtermitteln wieder aufgebaut werden.
Dass das Futter eine durchweg gute Qualität aufweisen sollte, muss nicht weiter erwähnt werden. Die Toxine im Futter würden den kompletten Organismus nur zusätzlich belasten und das Pferd damit anfälliger für Sarkoide machen.
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Prävention – kann man Sarkoide beim Pferd verhindern?
Da die Ursachen für Sarkoide beim Pferd nach wie vor viele Fragen aufwerfen, kann man auch keine genauen Aussagen zur Prävention machen. Sicher ist man sich jedoch, dass Sarkoide durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren entstehen. Um sie also vorzubeugen, muss man eine hochwertige Fütterung, ein gutes Stallmanagement und Hygiene gewährleistet sein. Jedes Pferd darf nur sein eigenes Putz- und Sattelzeug benutzen. Achte beim Putzen, vor allem an den empfindlichen Stellen, auf jedwede Haut- und Fellveränderung. Und tägliche, freie Bewegung, um den Stoffwechsel und die Verdauung zu fördern, sind ebenfalls wichtige Stellschrauben in der Prävention von Sarkoiden.
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Zusammenfassung: Die 11 Grundregeln des Equinen Sarkoids
Die 11 Grundregeln des Equinen Sarkoids wurden von Professor Derek Knottenbelt, einem Professor für Innere Medizin des Pferdes, aufgestellt. Sie können als Zusammenfassung der oben genannten Punkte dienen:
- Das Sarkoid ist ein Hautkrebs, keine Warze.
- Die Mehrzahl der Pferde ist empfänglich für Sarkoide, unabhängig von Geschlecht, Fellfarbe, Rasse, wobei bestimmte Zuchtlinien besonders häufig betroffen sind.
- Pferde mit einer Läsion (Sarkoid) sind besonders empfänglich für wiederkehrende Sarkoide.
- Je mehr Läsionen das Pferd hat, desto stärker entwickelt sich das Sarkoid. Es sollte daher auf keinen Fall unbehandelt bleiben.
- Stark vereinfacht gesagt: Sarkoide bilden sich im Sommer (Fliegen, die Viren übertragen können) und wachsen im Winter.
- Sarkoide wachsen und werden mit der Zeit aggressiver; je größer sie werden, desto schwieriger sind sie zu behandeln.
- Jede Manipulation, jeder Eingriff kann zu einer Verschlechterung führen.
- Jede Therapie von Sarkoiden ist schwierig und teuer. Jede erfolglose Maßnahme verschlechtert die Prognosen um 40 %.
- Es gibt 6 Formen, die sich nach ihrem klinischen Erscheinungsbild und Verhalten unterscheiden.
- Wunden der Haut, auch vom Sarkoid weiter entfernte Wunden, müssen gesondert behandelt werden. Aus jeder Verletzung kann ein Sarkoid entstehen.
- Sarkoide können auch unbehandelt besser werden: Es ist besser nichts zu tun als das Falsche.
FAQs – Häufig gestellt Fragen zum Equinen Sarkoid
Gibt es Pferde, die besonders häufig von Sarkoiden betroffen sind?
Welt weit sind circa 2 bis 8 % aller Equiden von Sarkoiden betroffen. Dabei scheinen Geschlecht, Pferderasse und Fellfarbe keine Rolle zu spielen. Gehäuft kommen Sarkoide vor allem bei jungen Pferden im Alter zwischen 3 und 6 Jahren vor. Dennoch kann jede Altersgruppe erkranken. Hat ein Pferd einmal einen Hautkrebs gehabt, besteht das lebenslange Risiko, dass der Tumor wiederkehrt. Mit fortschreitendem Alter nimmt das Risiko schließlich ab, dass ein Pferd (zum ersten Mal) erkrankt, wird aber nicht vollständig eliminiert.
Auch wenn die Rasse keinen direkten Zusammenhang mit der Tumorerkrankung zu haben scheint, konnten Forscher eine Häufigkeit bei bestimmten Zuchtlinien erkennen. Hier vor allem bei den Blutlinien von Quarter Horses, Appaloosas, Arabern und Vollblütern. Es wird also eine genetische Veranlagung für Sarkoide vermutet.
Sind Sarkoide beim Pferd ansteckend?
Wie genau sich Sarkoide übertragen bzw. ausgelöst werden, ist bis dato nicht hinreichend geklärt. Daher bleiben auch bei der Ansteckungsgefahr viele Fragen offen. Eine Ansteckung über das bovine Papillomavirus, das sich hauptsächlich bei Rindern finden lässt, ist äußerst wahrscheinlich. Ob die Ansteckung mit dem Virus nun von Rind zu Rind bzw. von Rind zu Pferd oder von Pferd zu Pferd erfolgt, bleibt offen. Sarkoiderkrankte Pferde sollten daher sicherheitshalber von der Gruppe separiert werden.
Eine weitere Ansteckungsgefahr kann über Fluginsekten erfolgen, die infektiöse DNA in sich tragen. Es wurde festgestellt, dass Sarkoide besonders in den Sommermonaten, wenn viele Fliegen umherschwirren, entstehen und dann an den Körperbereichen, die von Fliegen gerne angeflogen werden. Daher spielen Hygienestandards und Insektenabwehr eine wichtige Rolle, um eine Ansteckung über Papillomaviren zu verhindern. Diese sind übrigens sehr umweltresistent und können sich lange Zeit an Putzzeug, Hautschuppen etc. halten und dort ohne Wirt überleben und infektiös bleiben.
Sarkoide sind für den Menschen nicht ansteckend.
Was kostet eine Sarkoid-OP beim Pferd?
Muss ein Sarkoid chirurgisch entfernt werden, können hohe Kosten für den Klinikaufenthalt entstehen. Es gibt zwar die Möglichkeit der Kurznarkose, doch diese ist nicht bei der Behandlung jedes Sarkoids möglich. Die Art und Dauer der Operation und damit die Höhe der Kosten für eine Sarkoid-OP sind abhängig von der Form und Größe des Sarkoids. Ebenfalls spielen noch die Versorgung mit Futter in der Klinik, die Wundversorgung, die OP-Vorbereitungen und Medikamentengabe in die Kosten mit rein. Daher kann hier keine Kostenspanne pauschalisiert werden. Dennoch sollte man bei einem operativen Eingriff mit Zahlen im vierstelligen Bereich rechnen.
Sind Sarkoide für das Pferd schmerzhaft?
Grundsätzlich sind Sarkoide für das Pferd nicht schmerzhaft. Je nach Größe und Ausbreitung können sie jedoch das Pferd in seiner Bewegung und damit seinem Wohlbefinden einschränken. Da Sarkoide bevorzugt in viel gereizten Regionen wachsen, wie Kopf, Schenkel- oder Ellenbogenbereich, sind sie dann für das Pferd besonders störend.
Auch sind Sarkoide grundsätzlich nicht gefährlich oder für das Pferd tödlich; ausgenommen von malevolenten, bösartigen Sarkoiden.
Können Sarkoide erneut auftreten?
Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass Sarkoide erneut entstehen, wenn das Pferd einmal an ihnen erkrankt ist. Selbst eine operative, vollständige Entfernung des Tumors ist kein Garant dafür, dass das Pferd den Rest seines Lebens sarkoidfrei leben kann. Sarkoide sind rezidiv.